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Praxis D.M. Begemann & Dr. med. U.-Ch. Müller

DiGA - die vermessene Vermessung

Dominique Maurice Begemann • 24. Januar 2025

Gesundheits-Apps





Gesundheits-Apps – Digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA)


In den letzten Jahren sind digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA) zunehmend auf den Gesundheitsmarkt gebracht worden. Das Wort -markt ist hier bewußt gewählt.


Die über allem schwebende Idee sollte die Verbesserung der Versorgung sein. Damit gemeint sind sowohl eine vorbeugende (präventive) als auch eine behandelnde (kurative) Versorgung.


Ziel einer jeden Gesundheits-App muss also sein, dass im Ergebnis Menschen entweder länger gesund sind, oder wieder gesund werden. Und das muss, wie bei allen Maßnahmen oder Therapien in der Medizin, bewiesen werden. 

Sie kaufen sich ja auch kein teures Auto welches nicht fährt. Wenn sie aber von A nach B müssen ist ein günstigeres Auto, welches fährt, sowohl vom Effekt als auch in Bezug auf die Kosten, die bessere Wahl.


Der Bundestag schreibt in einer Meldung:

„Im Durchschnitt lägen die Herstellerpreise für eine DiGA bei 500 Euro (in der Regel für ein Quartal). Die Herstellerpreise seien weiter gestiegen und lägen weit über den Preisen für vergleichbare digitale Anwendungen außerhalb des Verzeichnisses. (...) Sie überstiegen auch deutlich das Vergütungsniveau einer konventionellen Versorgung, etwa einer ambulanten ärztlichen Behandlung.“


https://www.bundestag.de/presse/hib/kurzmeldungen-985830 (abgerufen am 24.01.2025)


Überlegen Sie einmal, wie gut 500€ bspw. in eine Brille oder einen Zahnersatz investiert wären.


Es gibt bis heute berechtigte Kritik am Nutzen und an den Kosten von digitalen Gesundheitsanwendungen. 


Hinzu kommt bei einigen Apps, dass im Rahmen der Anwendung eine ärztliche Begleitung gefordert wird. „Arztzeit“ ist heute, auch ohne eine breite Anwendung von Apps, ein knappes Gut geworden. Wie lange warten Sie auf einen Termin?


Am Rande sei noch erwähnt, dass ihr Arzt oder ihre Ärztin gesetzlich verpflichtet sind nach dem sogenannten WANZ Prinzip zu handeln.

So heißt es in §12 SGB V „Die Leistungen müssen ausreichend, zweckmäßig und wirtschaftlich sein; sie dürfen das Maß des Notwendigen nicht überschreiten. " (Wirtschaftlich Ausreichend Notwendig Zweckmäßig)


Wir müssen also qua Gesetz beachten, wo wir als Ärzteschaft - in der Konsequenz aber auch als Gesellschaft - Ressourcen vernünftig einsetzten und wo wir sie nutzlos verbrennen.


Ohne Mehrwert der Digitalisierung wird es keine Anwendung geben.


Wenn Sie trotzdem eine DiGA anwenden wollen können Sie direkt bei ihrer Krankenkasse einen Antrag auf Kostenübernahme stellen.


Weitere Informationen finden sie unter folgenden Links:

https://www.aok.de/pp/gg/magazine/gesundheit-gesellschaft-09-2024/rundruf-diga/ (abgerufen am 24.01.2025)

https://www.uni-bielefeld.de/fakultaeten/medizin/fakultaet/arbeitsgruppen/digitale-medizin/forschung/diga-evidence/ (abgerufen am 24.01.2025)


von Dominique Maurice Begemann 20. Februar 2025
„Es wird mal wieder Zeit für ein „großes Blutbild“.“ "Welche Beschwerden haben Sie?" "Keine, aber ich möchte sicher gehen, dass alles ok ist und ich gesund bin." Dr. med. Marlies Karsch-Völk, Fachärztin für Allgemeinmedizin, schreibt dazu in der Hausarztdatenbank Deximed: „Laboruntersuchungen, die „einfach mal so“ ohne eine bestimmte Fragestellung durchgeführt werden, sind unsinnig. Viele Menschen suchen ihre Hausarztpraxis auf und fragen nach umfassenden Laboruntersuchungen, nur um zu wissen, ob alles in Ordnung ist. Jeder im Blut durch bestimmte Laboruntersuchungen gemessene Wert kann eine oder mehrere gezielte Fragestellungen beantworten und sollte auch nur hierfür untersucht werden. Es gibt keinen Laborwert, der „Gesundheit“ bestätigt.“ https://deximed.de/home/klinische-themen/gesundheitsfoerderung-praevention/patienteninformationen/verschiedenes/laboruntersuchungen-sinnvolle-und-unsinnige Der Wunsch nach Sicherheit ist groß. Suchen Sie einmal über eine Internet-Suchmaschine nach "kuriosen Versicherungen". Die Menge an entsprechenden Angeboten ist beeindruckend. Sie können sich gegen fast jedes Risiko versichern, finanziell. Ihre Gesundheit ist auch versichert, gegen Krankheit, finanziell. Warum geben Krankenkassen Bonushefte für Vorsorge und Früherkennung aus? Weil sie weniger Kosten haben, wenn ihre Versicherten gesund bleiben. Aus Sicht der Krankenkasse und der Versicherten klingt das plausibel. Gleichzeitig bekommen Menschen ein schlechtes Gewissen, wenn sie einen Vorsorge oder Früherkennung „verpasst“ haben. Denn dann wird der Bonus gestrichen. Noch schlimmer: wie im Videospiel scheinen Lebenspunkte gestrichen zu werden. Und das, obwohl für viele der „geforderten“ Untersuchungen die tatsächlichen positiven Effekte nicht immer belegt sind. Wenn Sie bei Wikipedia die Definition von Gesundheit suchen finden sie exemplarisch (!) dargestellt sieben verschiedene Versionen. Was heißt also „gesund sein“? Und was heißt das insbesondere für Sie, ganz persönlich? Die Forschung der letzten Jahr zeigt, dass es richtig und wichtig ist, individuelle Voraussetzungen und Wünsche des Einzelnen in seiner Diagnostik und Therapie zu berücksichtigen. Gleichzeitig müssen wir auch die gesamtgesellschaftlichen Effekte im Blick haben. Das heißt wir müssen schauen, ob die Bemühungen der Vorsorge und Früherkennung die Erwartungen erfüllen, die an sie geknüpft sind. Für Sie im einzelnen individuellen Fall, aber auch mit Blick auf die Bevölkerung. Es ist wichtig sich im Klaren zu sein, welche Sicherheit (gesund zu sein und zu bleiben) man tatsächlich generieren kann. Schaut man zum Beispiel auf das Hautkrebs-Screening, welches seit vielen Jahren in Deutschland angeboten wird, so ist bis heute der tatsächliche Nutzen nicht belegt, jedoch mögliche Risiken und Nachteile. Und es scheint so, als hätte man trotz aller Bemühungen nicht die Rate an Erkrankungen und Sterbefällen reduziert. https://wissenwaswirkt.org/hautkrebs-screening (30.01.2025) Deutschland ist das einzige Land, welches ein Hautkrebs-Screening anbietet. Warum Australien, mit der höchsten Rate an Hautkrebs, nicht? https://observer-gesundheit.de/hautkrebs-screening-ein-leerstueck/ (30.01.2025) Zurück zum „großen Blutbild“ Die Medizin hat keine absoluten Wahrheiten in den Vorhersagen, statt dessen nimmt sie sich oft Ersatzparameter zu Hilfe. Das was gemessen werden soll kann selten direkt gemessen werden. Zusätzlich zum „großen Blutbild“ müssen wir Risikofaktoren berücksichtigen. Rauchen Sie, welchen Lebensstil haben Sie? Jeder Mensch bringt individuelle Faktoren mit, so zum Beispiel eine genetische Voraussetzung für die Entwicklung von Erkrankungen. Das Leben läuft nicht wie auf Schienen und bei jedem Menschen gleich. Vielleicht wird Ihnen an diesem Punkt schon deutlich, warum „ein großes Blutbild“ ein wenig kurz greift. Es wäre zu einfach, mit ein paar Blutwerten ihre aktuelle gesundheitliche Situation zu beschreiben und die Zukunft voraus zu sagen. Im besten Fall beschreiben die Ergebnisse Wahrscheinlichkeiten. Ebenso beinhalten Risikofaktoren keine absoluten Wahrheiten in Bezug auf die Vorhersage der Zukunft. Wenn sie rauchen steigt die Wahrscheinlichkeit, dass sie Lungenkrebs bekommen, aber nicht jeder rauchende Mensch bekommt tatsächlich Lungenkrebs. Können wir also Gesundheit messen? Ja und nein und mehr nein als ja. Und wir können noch weniger sichere Aussagen zur Zukunft und Entwicklung Ihrer Gesundheit treffen. Der größte positive Effekt liegt nicht in der Kontrolle von Werten. Viel mehr liegt er in der Umsetzung eines gesunden und bewussten Lebensstils. So gesehen liegt es also doch an jedem einzelnen, je nach Wunsch und Einstellung etwas für seine Gesundheit zu tun, allerdings nicht mit der Hilfe von unnützen Messungen, Bonusheften und der Vermittlung eines schlechten Gewissens. Davon unberührt bieten wir sämtliche gesetzlichen Vorsorge- und Früherkennungsuntersuchungen an. Ein „großes Blutbild“ gehört jedoch nicht dazu. Weitere Informationen: https://www.gesundheitsinformation.de/vor-und-nachteile-von-frueherkennungsuntersuchungen.html
von Dominique Maurice Begemann 14. Januar 2025
Nobelpreisverdächtig...
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